Schnittmengen zwischen den Religionen entdecken

Eine Fachtagung am 19. März 2021 widmete sich den Chancen und Herausforderungen von Christlicher Sozialer Arbeit in einer multireligiösen Gesellschaft. Der vorliegende Bericht wurde von Idea verfasst und am 24. März 2021 veröffentlicht.

(IDEA) - An der vom TDS Aarau, den höheren Fachhochschulen für Sozialpädagogik ICP und HFS und von CISA, Christliche Institutionen der Sozialen Arbeit, organisierten Zoom-Tagung nahmen 90 Personen teil. Einführend beschrieb ICP-Leiter Marc Peterhans den Eindruck, Fragen rund um Religion seien komplexer, vielfältiger und bunter geworden. Der Theologe, Gemeindeleiter und TDS- sowie IGW-Dozent Boris Eichenberger sprach in seinem Referat über das Spannungsfeld zwischen Säkularisierung und Multireligiosität: Aktuell beobachte er in der Schweiz „eine radikale Loslösung von Gottes Existenz“. Glaube sei Privatsache geworden. „Wird der Glaube nicht mehr öffentlich bezeugt, nimmt er auch beim Glaubensträger selbst ab“, folgert Eichenberger. Die Entchristlichung sei schon weit vorangeschritten: „Die christliche Schweiz ist Vergangenheit, wir sind längst eine postchristliche Gesellschaft geworden.“ Was aber nicht heisse, dass der Wunsch nach Spirituellem nicht mehr existiere. Die Überwindung letztgültiger Wahrheiten in der Postmoderne führe letztlich zu einer Multi-Ideologie, in der Wahrheit irrelevant und austauschbar werde. Migranten und Menschen anderen kulturellen Ursprungs – häufige Klienten bei der Sozialen Arbeit – seien mit diesem Verständnis oft überfordert.

Kraft des Evangeliums

Dieser Strömung will Eichenberger die „Kraft des Evangeliums“ gegenüberstellen. Diese könne alle Denkmuster durchdringen: „Jesus ist erfahrbar und wird so in der Begegnung mit Gott und Mitmenschen wahr.“ Wichtig sei deshalb, als Christ im Umfeld der Sozialen Arbeit zu wissen, woran man glaube. Die Vielfalt an Religionen biete nun auch die Chance, in einladender und integrativer Art und Weise auf den eigenen Glauben hinzuweisen, ohne aufdringlich zu wirken. „Wir müssen wieder neu lernen, über Gott zu sprechen“, meinte er. Die Krux liege nun neben der nötigen Empathie und Dialogfähigkeit darin, gemeinsame Schnittmengen in den Religionen zu entdecken und darauf aufzubauen.

Christlicher Standpunkt darf sein

Kathrin Hunn-Vogler, Sozialarbeiterin lic. Phil. I und Fachbereichsleiterin am TDS Aarau, bemerkte in ihrem Referat, christlicher Glaube allein genüge nicht für professionelle soziale Arbeit. Selbstreflexion und soziale Kompetenz etwa sowie kulturelle und religiöse Fachkenntnis seien gefragt. „Gläubige können Experten für interreligiöse Thematiken sein. Reflektierter christlicher Glaube wirkt vertrauensfördernd und schlägt Brücken“, ist Hunn überzeugt. Deshalb plädiert sie dafür, christliche Elemente nicht zu verstecken und „den Bus durchaus mit einem Bibelvers anzuschreiben“ – eine Tatsache, die in Biel hohe Wellen schlug – und etwa christliche Dienste wie ein Gebet oder ein Weihnachtsfest anzubieten, solange sie freiwillig sind. In Christus könnten wir unsere Hoffnung durch Zuwendung ausdrücken und so dem Nächsten zum Nächsten werden.

(Autor: Rolf Frey) 

Referent/Innen

  • Boris Eichenberger, Theologe, Gemeindeleiter und Dozent
  • Kathrin Hunn, Sozialarbeiterin (lic. phil. I), Dozentin TDS Aarau
  • Shadja Hussein, Bachelor in Sozialer Arbeit, Heilsarmee Flüchtlingshilfe
  • Markus Giger, Pfarrer VDM, theologischer Leiter streetchurch

Programm

Der Vormittag widmete sich mit drei Referaten dem Thema.

Am Nachmittag boten Workshops einen Praxisbezug für verschiedene Formen der Sozialen Arbeit.

Veranstalter

Website

Stefan Mahr, Studienleiter der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik (HFS) Zizers, Mitveranstalter der CSA-Fachtagung, bei der Begrüssung zur Fachtagung.
Nathalie Füllbeck (li) aus dem Vorbereitungsteam der CSA-Fachtagung, moderiert die Tagung. Hier im Gespräch mit Boris Eichenberger, Referent an der Tagung.
Kathrin Hunn (re), Referentin an der CSA-Fachtagung, im Gespräch mit Nathalie Füllbeck